Das Problem, das wir untersuchen

Das Fehlen von Koordinationsinfrastruktur in Organisationen verursacht messbare Kosten. Wo Wissen nur mündlich, durch persönliche Beziehungen und informelle Strukturen fließt, wird die Koordinationsarbeit unsichtbar und fällt auf diejenigen zurück, die sich nicht wehren können.

Wir nennen diesen Mechanismus KostenAbwälzung: Wenn Infrastruktur nicht gestaltet wird, verschwinden die Kosten nicht. Sie werden auf diejenigen verlagert, die am wenigsten Macht haben, sie abzulehnen.

Forschungsfragen

  • Wie entsteht Koordinationsinfrastruktur in Organisationen. Erfüllen die von der Organisation vorgegebenen Werkzeuge ihren Zweck oder geschieht die eigentliche Arbeit in alternativen Strukturen?
  • Was sind die messbaren Kosten fehlender Wissensinfrastruktur?
  • Wie lässt sich Koordinationsinfrastruktur systematisch gestalten, mit den Menschen, die sie nutzen?
  • Was unterscheidet Wissen, das bereits festgehalten ist, von Wissen, das nie dokumentiert wurde? Welche Infrastruktur, welche Kultur, welche Führungskompetenzen braucht letzteres?

Methodik

Collaboration Architecture arbeitet mit einem Ansatz, den wir Organisations-Archäologie nennen: Bevor etwas gestaltet wird, wird untersucht, was da ist. Die informellen Wege, über die Wissen tatsächlich fließt — die Trampelpfade — sind keine Fehler. Sie sind Daten. Sie zeigen, wo die offizielle Infrastruktur versagt hat und welche Bedürfnisse stark genug waren, eigene Strukturen zu formen.

Aus diesen Beobachtungen wird Infrastruktur gestaltet. Nicht am Schreibtisch, sondern im Gespräch mit den Menschen, die damit arbeiten.

Frameworks und Werkzeuge

Fachwerkhaus-Modell Ein visuelles Framework für die Mindestausstattung funktionierender Koordinationsinfrastruktur. Wie bei einem Fachwerkhaus bildet die Geschäftsarchitektur den stabilen Rahmen — die Ausfachung aus Lehm und Stroh (die operative Koordination) wird mit den Nutzenden gestaltet und kann bei Bedarf neu gebaut werden.

Trampelpfade des Wissens Diagnostik-Workshop, der die informellen Wissensflüsse in einer Organisation sichtbar macht und den Übergang von organisch gewachsenen Strukturen zu tragfähiger Infrastruktur begleitet.

Archaeological Document Analysis Methode zur Analyse von Governance-Dokumenten: Wo widersprechen sich Wertaussagen und operative Anreize? Wo sagen Dokumente das Gegenteil von dem, was die Organisation tatsächlich tut?

Pyramide der Informationsbedürfnisse Stufenmodell, das die Lücke zwischen „Wissen existiert irgendwo in der Organisation“ und „Wissen fließt dorthin, wo es gebraucht wird, wenn es gebraucht wird“ sichtbar macht.

Kooperationen

  • Media University Berlin — Kooperationsprojekt Sommersemester 2026: Studierende gestalten physische Artefakte für Collaboration Architecture Workshops
  • EA Insights DACH 2026 — Vortrag und Workshop, Mai 2026, Bonn
  • STS-Community — Verbindung zu Science and Technology Studies, Susan Leigh Stars Infrastrukturtheorie

Publikationen

  • Holst, A. (2026). Collaboration Architecture: A Position Paper. [ResearchGate →]
  • Holst, A. (2026). Before the Container: Why Organisations Keep Losing Knowledge They Never Had.