Das Institute for Collaboration Architecture erforscht und entwickelt eine Disziplin: die nutzerzentrierte Gestaltung der Koordinationsinfrastruktur in Organisationen, der operativen Ebene, die dafür sorgt, dass Wissen dort ankommt, wo es gebraucht wird, und dass Zusammenarbeit funktioniert, ohne dass einzelne Menschen das System durch persönlichen Einsatz zusammenhalten.

Collaboration Architecture ist keine Beratungsmethode, sondern eine Disziplin, die mit Forschung, Methodik und einer unabhängigen Wissensbasis aufgebaut wird.

Das Institut existiert, damit diese Arbeit nicht von kommerziellen Interessen abhängig ist. Methoden werden publiziert. Werkzeuge werden als Open Source veröffentlicht. Forschungsergebnisse gehören der Fachgemeinschaft, nicht einem Auftraggeber. Der Begriff Collaboration Architecture selbst bleibt offen: Er soll genutzt werden, weil ein Fach ein gemeinsames Vokabular braucht. Die Methode soll so weit entwickelt werden, dass sie von gewerblichen Anbietern ausgeführt werden kann. Dazu gehört die Entwicklung einer Prüfmethode, die die Wissenschaftlichkeit der Methode bewahrt und gegen Hype schützt.

Die Arbeit beruht auf einer klaren Haltung: In Abwesenheit einer zentralen Gestaltungsfunktion für Koordinationsinfrastruktur haben sich Menschen in Organisationen selbst Strukturen gebaut, die es zu entdecken gilt. Koordinationsinfrastruktur gut zu gestalten ist Aufgabe der Organisation, nicht der Einzelnen, die einzelne Teile davon bisher durch persönlichen Einsatz am Laufen gehalten haben.

Diese Haltung ist zugleich Methode. Wo andere Ansätze Menschen optimieren, um mit Stress umzugehen, gestaltet Collaboration Architecture die Struktur, deren Fehlen den Stress erzeugt.

Das Institut befindet sich in der Gründungsphase als gemeinnützige Organisation mit Sitz in Rostock. Der Gründungsvorstand wird derzeit zusammengestellt; die Gründungsmitglieder kommen aus der Praxis, der Wissenschaft und der Enterprise und Business Architecture.

Die Methodik wurde über mehrere Jahre in Organisationen entwickelt und erprobt, unter anderem über drei Jahre in einem Unternehmen mit mehr als 11.000 Mitarbeitenden. Die grundlegende Darlegung der Disziplin erschien 2026, peer reviewed im Touchpoint. The Journal of Service Design (SDN).

Unser Gründungsteam

Eine Disziplin ist nicht die Arbeit einer einzelnen Person, und ihre Anerkennung kann nicht auf der Autorität einer einzelnen Person ruhen. Deshalb wird das Institut von einem Board getragen, das aus den Feldern kommt, die diese Disziplin verbindet.

Das Board ist bewusst fachübergreifend besetzt. Sein Zweck ist, die Disziplin an einen Maßstab zu halten, den kein Feld allein setzen kann, und dafür zu sorgen, dass Anerkennung, während die Disziplin wächst, von der Disziplin selbst ausgeht. Die erste Generation wird von der Gründerin anerkannt, damit die hundertste von der Disziplin anerkannt werden kann. Diese Ablösung ist der Zweck, nicht ihr Nebeneffekt.

Collaboration Architecture liegt zwischen den etablierten Disziplinen – dort, wo menschliche Arbeit und Technik sich nicht mehr trennen lassen. Kein einzelnes Feld sieht diesen Gegenstand ganz. Ein Board, das nur aus einem Feld käme, würde ihn genauso verfehlen wie die Fächer, deren Lücke die Disziplin schließt. Deshalb sitzen hier Menschen aus der Praxis der Koordinationsgestaltung, aus der Wissenschafts- und Technikforschung, aus der Enterprise Architecture und aus weiteren Feldern, die wir gezielt suchen.

Anke Holst

Business Architect mit Design-Hintergrund. Berät Organisationen seit 2008 zu Koordinationsinfrastruktur — im britischen öffentlichen Sektor und in der deutschen Industrie. Drei Jahre eingebettet bei der Nordex Group, wo sie die Methodik der Collaboration Architecture in der Praxis entwickelt hat.

Dr. Dina Falbe, PhD

Dina Dorothea Falbe, Architektin, schreibt zu Themen rund um
Architektur, Stadtgesellschaft und Denkmalpflege. Sie forscht zu kollaborativem Raumschaffen und erprobt Formate zur aktiven
Auseinandersetzung mit vorgefundenen Räumen für
ein learning by building.

Carsten Forstner

Enterprise Architect und Mitglied der Geschäftsleitung der SYSback AG. Carsten verfügt über mehr als 30 Jahre IT-Erfahrung. Er war in IT-Führungspositionen in den Branchen Design, Handel, Produktion, Schifffahrt und Finanzdienstleistungen tätig. 

Noch Unbesetzt

Bündelt die Community-Aktivitäten und stärkt die Zusammenarbeit im Netzwerk.

Wunschdisziplinen für das Team

Soziologie der Quantifizierung. Was geschieht, wenn man Soziales messbar macht? Messung bildet das Gemessene nicht neutral ab — sie formt es um, erzeugt Anreize, bringt das Verhalten hervor, das sie zu erfassen behauptet. Das ist unsere schwierigste Frage: wie misst man Koordinationskosten, ohne dass die Messung selbst zur Kennzahl verkommt, die man optimiert, statt das Problem zu lösen? Wir suchen Menschen, die erforschen, wie Metriken die Praxis verändern, die sie vermessen.

Soziologie der Professionen. Eine Disziplin, die anerkennt und lizenziert, braucht Menschen, die diese Anerkennung aussprechen — und jede solche Instanz ist eine Autorität, und jede Autorität ist der Keim dessen, was wir vermeiden wollen: eine geschlossene Priesterschaft. Wie hält ein Fach seine Standards, ohne zu erstarren? Wie grenzt es sich ab, ohne sich abzuschotten? Wir suchen Menschen, die erforschen, wie Professionen entstehen, sich verteidigen und sich verhärten.

Kritische Organisations- und Arbeitspsychologie. Der Kern unserer Methode ist Wiedererkennen, nicht Beschuldigen: „Das ist nicht dein persönliches Versagen.“ Eine Methode, die ohne diese Sicherheit angewendet wird, kehrt sich in ihr Gegenteil — sie wird zum Instrument der Schuldzuweisung. Wie misst man, ob eine Intervention Wiedererkennen erzeugt hat und nicht bloß das Gefühl, abgefertigt worden zu sein? Wir suchen Menschen, die psychologische Sicherheit erforschen — kritisch, nicht als Schlagwort — und die Selbstauskunft rigoros erheben können.

Reflexivität und Beobachtung zweiter Ordnung. Jedes Instrument, das wir bauen, kann selbst zur leeren Form werden — auch das Instrument, das genau das verhindern soll. Ein Werkzeug, das prüft, ob eine Methode ausgehöhlt wurde, kann selbst ausgehöhlt werden. Diese Rekursion ist vielleicht unsere tiefste Frage. Wir suchen Menschen, die über Selbstbezug, Beobachtung zweiter Ordnung und die Grenzen der Selbstprüfung arbeiten.

Ritual- und Praxisforschung. Wie wird aus einer sinnvollen Handlung eine leere Geste? Wie überlebt die Form, wenn die Funktion längst verschwunden ist? Disziplinen höhlen sich aus, indem ihre lebendige Praxis zum Ritual wird — die Übung, die vollzogen wird, weil man sie vollzieht, nicht weil sie noch wirkt. Wir suchen Menschen, die erforschen, wie eine Praxis zu einem leeren Ritual wird.